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Martin Luthers Gottesbild

Inhuman und antiaufklärerisch

Die meisten Protestanten wissen es nicht, und die Theologen der Evangelisch-lutherischen, der Calvinistischen und der Zwinglianischen Kirche nebst deren zahlreichen Deviationen und Denominationen werden es ihnen – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – auch nicht sagen. Aber das Gottesbild Luthers – übrigens auch das Calvins – ,von dem die Gläubigen nichts wissen, möglichst nichts erfahren sollen, ist in der Tat monströs, ungeheuerlich, zutiefst erschreckend, erschütternd und abstoßend, unmenschlich, irrational und absurd. Man sollte auch nicht erwarten, dass im 500. Jubiläumsjahr des in Wirklichkeit nie stattgefundenen Thesenanschlags durch Luther an der Schlosskirche zu Wittenberg die EKD, der Lutherische Weltbund oder irgendein anderes kirchenamtliches Organ der Öffentlichkeit und ihren eigenen Leuten reinen Wein einschenken werden. Die Aufdeckung des haarsträubenden Gottesbildes Luthers würde auch die letzten Getreuen aus den Kirchen heraustreiben. Wie sollte man denn dann noch ein ganzes Jahr lang mit immer neuen, staatlich honorig unterstützten Fest- und Feierlichkeiten die Propagandathese über Luther als Reformator, Heros und Menschenfreund aufrechterhalten?

Eines muss man allerdings diesem Mann lassen: Er war wahrhaftiger als seine Nachfolger. In aller Offenheit und Brutalität deckte er auf, was er über Gott dachte. Frank und frei erklärte er, dass »sich die Natur vor solcher göttlichen Majestät entsetzen muss« . Gott sei »schrecklicher und greulicher denn der Teufel. Denn er handelt und geht mit uns um mit Gewalt, plagt und martert uns und achtet unser nicht.« »In der Majestät ist er ein verzehrendes Feuer.« Wenn ein Mensch »recht an Gott gedenket, so erschrickt ihm das Herz im Leibe und liefe wohl zur Welt aus.« Gott hat nach Luther eine geradezu sadistische Lust am Schmerzzufügen: »Er schlingt einen hinein und hat solche Lust daran, dass er aus seinem Eifer und Zorn dazu getrieben wird, die Bösen zu verzehren. Fängt das einmal an, dann hört er nicht mehr auf.« »Dann werden wirs lernen, wie Gott ein verzehrend Feuer sei, das da allemache und eifere zu beiden Seiten.« »Das ist denn das verzehrend fressige Feuer.« »Und wirst du sündigen, so wird er dich auffressen.« »Denn Gott ist ein Feuer, das verzehret, frisset und eifert, das ist, er bringt euch um wie das Feuer ein Haus verzehrt, zu Asche und Staub macht.« Das Schreckliche, Wütende in Gott falle den Menschen an, als wäre Gott der Teufel selber. Er, Luther, sei »nicht nur einmal bis auf Todesgefahr davon angefochten worden (…) Lehren soll man zwar von Gottes unausforschlichem und unbegreiflichem Willen; aber sich unterstehen, denselben zu begreifen, das ist sehr gefährlich und man bricht sich dabei den Hals.«
Unumwunden bekennt Luther, dass Gott im Grunde »untragbar für die menschliche Natur ist« . Es gibt ihm zufolge keine gerechte Bestrafung des Sünders nach dem rationalen Maß und Vorstellungsvermögen des Menschen. Die »Hure Vernunft« sei da völlig überfordert und fehl am Platz. Vielmehr sei Gott, seine Gerichtsbarkeit, sein Strafmaß „unerforschlich, unbegreiflich, über jedes menschliche Verstehen hinausgehend“; seine »vera maiestas«, seine wahre Majestät zeige sich „in seinen furchterregenden Wundertaten und unbegreiflichen Gerichtsurteilen“.

Dieses »Schauervoll-Irrationale« in Gott ist für Luther sogar das eigentliche Wesen Gottes, der »deus ipse«, also Gott selbst, Gott in seinem eigentlichsten Selbstsein, so wie er »in sua natura et maiestate«, also in seiner wahren Natur und Majestät ist. Im Kern von Luthers Gottheit liegt das Düstere, Dunkle, Gewalttätige, Jähzornige, Feurig-Triebhafte, Zügel- und Maßlose. »Er [Gott] ist ohne Maß, Gesetz und Ziel und betätigt sich im ganz Paradoxen.« , so der berühmte evangelische Theologe Rudolf Otto. Selten hat ein Mensch seine eigene zügellose, triebhafte, grobe und gewalttätige Natur derart deutlich in seinen Gott projiziert wie Luther. Der »launische Despot« Luther macht Gott zu einem ebensolchen launischen Despoten, der völlig gesetzlos handeln darf. Aber diesen Projektionsmechanismus bei Luther haben bis zum heutigen Tag nur wenige seiner theologischen Nachfahren durchschaut (oder durchschauen wollen). »Bis an die Grenze der Gemütskrankheit« führte Luther sein »irrationales Erleben eines tief irrationalen transzendenten Objektes, das sich fast der Bezeichenbarkeit mit ›Gott‹ entzieht. Und dies ist die dunkle Folie für das gesamte Glaubensleben Luthers. An unzähligen Stellen seiner Predigten, Briefe, Tischreden wird diese Folie sichtbar« , so ebenfalls R. Otto.

Der Glaube an die Rechtfertigung allein aus Gnade, aus der Gnade Gottes, ohne alle Werke und Verdienste des Menschen, ist das Zentrum von Luthers Theologie, dem sich jeder evangelisch-lutherische Theologe schon von Berufs wegen verpflichtet fühlen muss, weil mit diesem vom katholischen Verständnis der Erlösung unterschiedenen Sonderglauben erst überhaupt die Existenzberechtigung der evangelisch-lutherischen Kirche gegeben ist. Dieser Glaube mag zwar vielen als Sünder sich Fühlenden gefallen, aber er kann auch schlimme psychologische Konsequenzen entfalten. Denn ein solcher, den menschlichen Beitrag an der Erlösung völlig ablehnender, also inhumaner und unethischer Rechtfertigungsglaube mündet zwangsläufig und direkt in den ebenso inhumanen Glauben an die totale Alleinwirksamkeit Gottes, den dann also auch alle Theologen evangelisch-lutherischer Provenienz, ob sie wollen oder nicht, zu akzeptieren haben, weil er eben ein notwendiges Resultat, eine direkte Konsequenz des Rechtfertigungsglaubens ist.

Diese Konsequenz machen sich nur nicht alle pastoralen Nachfahren Luthers klar, oder sie wollen sie sich nicht bewusstmachen. Denn der aus dem Rechtfertigungsglauben konsequent folgende Glaube an die göttliche Alleinwirksamkeit ist derart brutal und menschenunwürdig, dass die Leute massenweise aus der evangelischen Kirche austräten, wenn er ihnen von ihren Pfarrern bekanntgemacht würde. So wird man auch von den Kanzeln und Altären evangelischer Kirchen her nirgendwo ein Wort darüber vernehmen. Aber die Psyche lutherischer Pfarrer muss diesen Sachverhalt ständig verdrängen. Nicht wenige von ihnen landen ja auch aufgrund nicht gelingender Verdrängung beim Psychotherapeuten oder gar Psychiater. So stellte z.B. schon vor Jahren der evangelische Theologe und Psychotherapeut K. Thomas, bekannt geworden durch seine erfolgreiche Telefon- und Praxisseelsorge an Lebensmüden und Verzweifelten sowie durch sein »Handbuch der Selbstmordverhütung«, fest, dass 12 Prozent seiner Patienten evangelische Pfarrer und ihre Frauen, Religionslehrer, Diakonissen und Theologiestudenten sind, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sich nicht einmal auf 1 Prozent beläuft, dass 40 Prozent seiner Patienten an ekklesiogenen, d.h. an durch die lutherischen Lehren und Erziehungseinflüsse verschuldeten Neurosen leiden.

Und Neurosen kann schon verursachen, was Luther über die Alleinwirksamkeit Gottes sagt. Gott, so Luther, hat zwei Seiten: die rationale, geoffenbarte, uns zugewandte, freundlich erscheinende und die »nicht verkündete«, »nicht offenbarte«, »nicht aufgedeckte«, die sein tiefstes (irrationales) Wesen ausmacht. Entsprechend habe Gott eben auch zwei Willen: auf der einen Seite den »gepredigten, geoffenbarten« Willen, der sich als »freundlicher« und »gnädiger« Wille manifestiert, der »nicht den Tod des Sünders«, sondern »alle Menschen zum Heil führen will«; auf der anderen Seite den nicht gepredigten, nicht geoffenbarten, nicht angebotenen »heimlichen Willen«, „den verborgenen und zu fürchtenden göttlichen Willen, dem man nicht nachgrübeln, sondern den man mit Ehrfurcht anbeten soll, weil er ein unerforschlicher und nicht erkennbarer ist“. Dieser zweite Wille ist die eigentliche »voluntas maiestatis« (Wille der wahren Majestät Gottes), der Wille, der macht, was er will, der aus seiner ganz freien, durch nichts bedingten, schrankenlosen Ursächlichkeit heraus »Menschen verlässt, verhärtet, verdammt« (homines deserat, induret, damnet), je nachdem ob er sie von Ewigkeit her »liebt oder nicht liebt« (vel amat vel non amat) ; der »den Tod des Sünders will« (vult mortem peccatoris), bevor dieser überhaupt geboren ist; und der das Böse und den Tod von sich aus (ohne Rücksicht auf das gute oder schlechte Tun des Menschen) bewirkt (malum et mortem operatur).

Die Wahrheit bleibt unbestritten und unverrückbar: Luther hat allen Lutheranern ein extrem inhumanes, krankmachendes Gottesbild vererbt. Seine »Theologie« ist das Spiegelbild seiner Persönlichkeit, die sich als willenloses Werk- und Spielzeug in der Hand übernatürlicher, sich in seiner Seele tummelnder göttlicher und teuflischer Mächte empfand und erlebte. Diese Art von Erleben interpretierte er theologisch dahingehend, dass der Mensch im Grunde wehr- und willenlose Marionette Gottes oder des Teufels sei, die nichts, aber auch gar nichts zu ihrer Selbstverwirklichung, ihrer ethischen Reifung oder gar zu ihrer Erlösung beitragen könne. Konsequenterweise war dann Gott in seinem innersten Wesen für Luther ein unberechenbarer Despot, ein Willkürgott, ein oberster Tyrann, der sein Heil ganz ungerecht verteilt, an wen er will. Das Triebhafte, Irrationale, Anti-Vernünftige in Luther selbst, in ihm im Lauf seines Lebens immer mehr dominierend, erhöhte er metaphysisch, verlagerte er in das Innerste Gottes selbst. So wurde Gott selbst naturalisiert und materialisiert, wurde zu einer blinden Naturkraft, einer blind waltenden, triebhaften Energie, wurde zu nackter, alles fortreißender oder vernichtender Gewalt. Insofern ist an dem von manchen in ihm gewitterten Pantheismus oder Pansatanismus durchaus »etwas dran«. Luther hat seinen Epigonen einen theologischen Naturalismus und Materialismus vermacht, denn sein Gott ist nur noch physische, keine logische, keine geistige Allmacht. Die Freiheit Gottes ist nur noch die blinde Ungebundenheit einer ihrer selbst nicht mehr mächtigen, rasenden, schrankenlos wütenden Macht, eines Orkans, der fast alles niederreißt und einiges Wenige stehenlässt. Gott ist ein tyrannisches Faktum und Fatum jenseits von Gut und Böse, ein universaler Determinator und Exterminator, der aber selber nicht weiß, warum er so und nicht anders determiniert und exterminiert. Mit Recht hat man gesagt: »Niemals hatte das Credo quia absurdum [›Ich glaube, weil es unsinnig ist‹] einen so von seinem Auftrag überzeugten Anwalt wie Luther.«

Das Gottesbild ihres Konfessionsgründers stellt die evangelischen Geistlichen vor eine fatale Alternative: Entweder sie identifizieren sich mit diesem Gottesbild, wozu sie eigentlich von Amts wegen verpflichtet sind. Dann partizipieren sie an dessen inhumanem, die Menschenwürde mit Füßen tretenden Charakter. Oder sie identifizieren sich eben nicht mit Luthers Gottesbild. Dann stehen sie in innerer Opposition zu ihrer Kirche und deren Lehre, für die das Gottesbild Luthers verbindlich und zentral ist. Die Folge sind Versteckspiel und Heuchelei, weil man nach außen hin eine Rolle spielt, die mit der inneren Bewusstseinslage nicht übereinstimmt. Manche evangelische Christen spüren ja auch diese mangelnde Übereinstimmung, was sich dann in Worten wie den folgenden Bahn bricht: »Die Pastoren glauben doch selbst nicht, was sie sagen.«

In der Tat ist eine naheliegende Konsequenz des furchtbaren Gottesbildes Luthers - der Atheismus. Neuere Umfragen demonstrieren ja auch immer wieder übereinstimmend, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz evangelischer Pfarrer gar nicht mehr an Gott glaubt. Das hat sicher viele Gründe, aber mit Sicherheit auch den, dass das amtskirchlich normative, maßgebende Gottesbild des Konfessionsgründers derart negativ ist. Man kann eben nicht davon ausgehen, dass jeder evangelische Geistliche einen so großen Glauben aufbringt, wie ihn Luther allen Ernstes verlangt, wenn er betont: »Das ist der größte Grad des Glaubens, zu glauben, dass der gütig ist, der so wenige rettet, so viele verdammt; zu glauben, dass der gerecht ist, der durch seinen Willen uns notwendig verdammenswert macht.«

Es bleibt jedenfalls festzuhalten: Evangelische Theologen, die sich der Ungereimtheiten, Widersprüchlichkeiten, Irrationalitäten und Grausamkeiten des Gottesbildes ihrer Kirche bewusstwerden, können, wenn sie in dieser Kirche bleiben wollen, vor ihren Gläubigen und der gesellschaftlichen Öffentlichkeit eigentlich nur der strengen Devise folgen, auf gar keinen Fall Interna auszuplaudern. Oder aber sie entscheiden sich, Luthers und auch Calvins inhumanen, ja antihumanen Gottesbegriff ganz über Bord zu werfen, insofern Atheisten zu werden.

Heutige evangelische Kirchenvertreter und Theologen sind froh darüber, dass die Tod-Gottes-Theologie mit ihren radikalen lnfragestellungen aller Glaubensinhalte und den fatalen Konsequenzen für das lutherische und calvinistische Gottesbild inzwischen selbst ebenfalls tot zu sein scheint. Sie stellen sie gern als eine Episode des Zeitgeistes dar, die schon längst wieder vorüber sei. In Wirklichkeit ist nach dem gewaltigen Medienspektakel der Tod-Gottes-Theologie in den sechziger und siebziger Jahren des 20.Jahrhunderts nichts mehr so wie früher: egal ob evangelische Theologen nun viel oder wenig Kenntnis von der expliziten Tod-Gottes-Theologie besitzen, der Atheismus dieser Theologie steckt ihnen allen in den Knochen, weil alle spüren, dass das für sie normative und verpflichtende Gottesbild ihrer Konfessionsgründer (Luther und Calvin) unhaltbar und untragbar ist und aus seinem immer noch nicht ganz unfruchtbaren Schoß ständig die Gefahr des Atheismus gebiert. Die Tod-Gottes-Theologen haben ja auch die den Atheismus ermöglichenden Inkonsequenzen, Widersprüchlichkeiten und Ausweglosigkeiten in den klassischen protestantischen Theologiesystemen des 20. Jahrhunderts, der dialektischen Theologie Karl Barths und dem philosophisch-theologischen System Paul Tillichs, schonungslos aufgedeckt.
Es müsste außerdem noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass Luthers Theologie im Grunde eine Art Pandeismus, ja ein »Pan-Dämonismus« war, weil er absolut nichts Göttliches im Menschen sah, dagegen das Teuflische in obsessiver Manie und Manier ständig in der menschlichen Seele und in der Welt am Werk erblickte. Er war ein Erzfeind der Mystik. Deren via purgativa et illuminativa zu Gott lehnte er kategorisch ab, um so mehr eine unio mystica zwischen der menschlichen Seele und Gott. Luther sah in seiner depressiv-pessimistischen Grundeinstellung Welt und Mensch ausschließlich negativ, den Menschen, sein Ich ohne Gottes durch nichts verdiente Rechtfertigung als total verdammungswürdige Kreatur, dem in dieser Situation nur die „resignatio ad infernum“, die Bereitschaft, in die Hölle zu gehen, bleibe. Allein das Wort der Schrift (der Bibel, sola scriptura!), im Glauben angenommen, könne den Menschen rechtfertigen. Aber dieser Rechtfertigung könne er trotzdem nicht sicher sein. Nein, der Mensch bleibt ohne jede selbständig erarbeitete Gewissheit eines Gerechtfertigtseins durch Gott. Er verharrt im Zweifel und Zwiespalt »peccator in re, iustus in spe« (Sünder der Sache nach, Gerechtfertigter der Hoffnung nach). Auch hierin zeigt sich der Wille Luthers, dem Menschen jegliche Autonomie und Selbstsicherheit zu nehmen, ihn zur Marionette des allein wirksamen Gottes zu machen.

Fazit: Wie wir die Sache auch drehen und wenden, von welcher Seite wir sie auch erörtern, welche Varianten, Richtungen und Strömungen der protestantischen Theologie wir noch analysieren würden, am Ende spränge ımmer das Ergebnis heraus, dass die evangelische Gotteslehre unentrinnbar in ihrer eigenen Schlinge zappelt, dass sie entweder anti-human, grausam und unmenschlich, ja dämonisch ist, wenn sie sich schön orthodox an Luther oder Calvin hält, oder dass sie einseitig, wesentliche Aspekte unterschlagend, mystifizierend, unlogisch und widersprüchlich oder naturalisiert, entsubstantialisiert, ja nihilisiert ist, wenn sie sich modernen und postmodernen Strömungen angleicht und anbiedert. Das Ganze ist auch deshalb fatal, weil die Gotteslehren evangelischer Theologie auf dem Weg über den Religionsunterricht ja weiterwirken und Unheil in den Seelen unschuldiger Kinder und Jugendlicher verursachen. Mit tiefem Ernst und warnender Stimme sagte schon Friedrich Nietzsche, Sohn eines evangelischen Pfarrers, in der »Antichrist«: »Man muss das Verhängnis aus der Nähe gesehen haben, noch besser, man muss es an sich erlebt, man muss an ihm fast zugrunde gegangen sein, um hier keinen Spaß mehr zu verstehen.« Franz Buggle, bis zu seiner Emeritierung Professor für Klinische und Entwicklungspsychologie an der Universität Freiburg, bestätigte das Urteil Nietzsches: »Wohl jedem klinischen Psychologen sind aus seiner Praxis Fälle ›ekklesiogener Neurosen‹ bekannt: Patienten, die unter religiösen Schuldgefühlen leiden, Menschen, die unter der Last ihres Glaubens zusammengebrochen sind.« Aber auch das kann keineswegs ausgeschlossen werden, dass die geradezu sadistische Strenge in manchen evangelischen Erziehungsheimen den Vorgaben des launisch-grausamen Lutherischen Gottesbildes gefolgt war und deshalb so viele Missbräuche von Kindern und Jugendlichen zu verantworten hat.


  • Erscheinungsdatum: 07. Dezember 2017