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Papst Franziskus und die Entmündigung der Frau in der Kirche

In einem Interview auf der Rückreise von seinem kürzlich stattgefundenen Besuch in den USA antwortete Papst Franziskus auf die Frage eines Journalisten: „Werden wir eines Tages Priesterinnen in der katholischen Kirche sehen?“ mit einem kategorischen Nein zur Frauen-Ordination: „That can not be done.“

Es zeigt sich hier zum wiederholten Mal: Hinter der [Güte in Person] dieses Papstes, wie sie uns Tag für Tag von den Medien in aller Welt aufgetischt wird, steckt eine erstaunliche Eiseskälte gegenüber den Frauen, die ihre volle Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kirche verlangen. Volle Gleichberechtigung, das bedeutet, dass die Frauen alle Rechte, die der Mann in der Kirche hat, zugestanden bekommen, also auch das Recht, sprich das absolute Herrschaftsprivileg, Priester zu werden.

Hier setzt das kategorische Veto des derzeit regierenden Papstes ein. Priesterinnen dürfen sie auch unter dem neuen Papst nicht werden, nicht einmal Diakonissen, für die es ja eine eigene Weihe gäbe. Die Exkommunikation der etwa 200 Frauen, die sich valide, sed illicite (nach dem kanonischen Recht: gültig, aber unerlaubt) von abtrünnigen Bischöfen zu Priesterinnen weihen ließen, hat der Gütige nicht aufgehoben und wird es auch nicht tun. Sie würden gern ihrer Berufung zum Priestertum der Frau folgen, aber Franziskus lässt sie nicht für das leben, wozu sie sich berufen fühlen.

Zwar betont Franziskus immer wieder, „dass Männer und Frauen die gleiche Würde besitzen“, zwar ermuntert und ermutigt er sie, Missionarinnen der Evangelisierung in ihrem Lebensbereich nach dem Vorbild Marias zu sein, zwar beruft er die eine oder andere Frau schon mal in die eine oder andere Vatikan-Kommission, in der die Mehrheit allerdings sowieso aus Männern besteht, zwar versucht er es mit der Schmeichelei, dass „die große Würde“ von Mann und Frau gar nicht aus der Priesterweihe komme, sondern „von der Taufe, die allen zugänglich ist“ und wir uns mit der priesterlichen Voll-macht „auf der Ebene der Funktion und nicht auf der Ebene der Würde und der Heiligkeit befinden“, aber dann folgt sofort das harte Diktum des Papstes: „Das den Männern vorbehaltene Priestertum… ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht!“ Roma locuta, causa finita! Da unterscheiden sich Papst
Wojtyla, der jegliche Debatte über die Priesterweihe von Frauen kategorisch verbot, und Papst Bergoglio nicht im mindesten! In den Augen der Herren der Kirche besaßen die Frauen die unverzeihliche „Unverschämtheit“, zur Gleichberechtigung mit den Männern auch das Recht zum weiblichen Priestertum zu zählen und sich deshalb zu Priesterinnen weihen zu lassen.

Hier fühlte sich die Hierarchie, egal ob mit Wojtyla, Ratzinger oder Bergoglio an der Spitze, im innersten Kern ihrer männlichen Vorherrschaft angegriffen, denn diese steht seit der Entfernung weiblicher Apostel vor 2000 Jahren aus der Führungsspitze der frühen Kirche bis zum heutigen Tag unter der Devise: Die Macht in der Kirche haben nur Männer, die Herrschaft der Kirche hat maskulin, patriarchalisch, nicht matriarchalisch zu sein. Wohlgemerkt: Es handelt sich bei den Frauen, die sich zu katholischen Priesterinnen weihen ließen, um tiefreligiöse, kirchentreue Menschen. Und das ist ihr Dilemma. Viele von ihnen leiden unter dieser Exkommunikation, die sie sich durch die Weihe zu Priesterinnen eingehandelt haben. Sie können nicht ganz glücklich sein, wenn der oberste Herr im Vatikan die Strafe nicht feierlich und in aller Form aufhebt. Sie wollen ja in der Kirche bleiben, wollen ihr mit ganzem Herzen dienen, könnten den Mangel an Priestern, unter dem so viele Pfarrgemeinden leiden, beheben. Aber der Herr in Rom, von dem sie sich gerade nach der Papstwahl Bergoglios so viel erhofft hatten, bleibt unerbittlich, weicht keinen Zentimeter ab von den rigorosen Vorgaben seiner beiden unmittelbaren Vorgänger bezüglich des Verbots der Priesterweihe von Frauen.

Ein weiterer Aspekt dieses Dilemmas der eingetrichterten Kirchentreue in Kindheit und Jugend, der in die jungen Gehirne eingehämmerten Überzeugung, nur diese Kirche sei die wahre und ohne sie könne der Mensch nicht zum Heil gelangen, ist die Mutlosigkeit dieser Frauen, die Angst, eine eigene Kirche zu gründen, diesen ganzen hybrid-arroganten Hierarchieapparat hinter sich zu lassen, ihn für irrelevant zu erklären. Stattdessen hoffen auch sie – wie viele Reformkatholiken – wider alle Hoffnung, der Papst werde irgendwann doch ein Einsehen haben, den Kirchenbann aufheben und ein weibliches Priestertum genehmigen.

Dabei, die Vision ist nicht ohne: Eine katholische Kirche der Frauen, mit Frauen an der Spitze, demokratisch gewählt, sich als Helferinnen, nicht Herrinnen aller Mitglieder ihrer Kirche verstehend. Eine Kirche, zu der mit der Zeit alle katholischen Frauen gehören würden, weil sie in der alten Kirche stets nur zweite Kategorie waren und diese Missachtung, Verachtung, Gängelung durch den Klerus endlich voll durchschaut hätten. Die Verwirklichung dieser Vision bedeutete den Einsturz der undemokratischen, hierarchischen Männerkirche, in der paradoxerweise die Frauen stets die Mehrheit stellten. Ihr kollektiver Auszug wäre praktisch das Ende der Macht der Kleriker.

Aber bleiben wir bei der tristen Realität: Fakt ist, dass eine ganze Reihe der Frauen, die wegen ihres Empfangs der Priesterweihe durch einen abtrünnigen, aber gültig geweihten katholischen Bischof bzw. durch von diesem geweihte Bischöfinnen vom Bergoglio-Papst oder von dessen Vorgängern ex-kommuniziert sind, darunter leidet, schwer leidet. Allein dieses Faktum wäre für einen Menschen, dem wie keinem anderen in unserer unmittelbaren Gegenwart eine unbegrenzte Güte zugesprochen wird, Grund genug, sich dieser Frauen zu erbarmen, ihre Exkommunikation zu annullieren. Aber der Papst zeigt nicht das kleinste Anzeichen von Mitgefühl für diese Frauen.
In Anbetracht dessen erweisen sich viele Aussagen von Franziskus I. als pure Heuchelei. Zu Gott, zu Christus und seiner Kirche, sagt z.B. der Papst in Evangelii gaudium, „lade ich jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet … Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm, denn niemand ist von der Freude ausgeschlossen, die der Herr uns bringt … Die Freude aus dem Evangelium ist für das ganze Volk, sie darf niemanden ausschließen“. Tja, die betreffenden Frauen schon! Sie haben das wichtigste Privileg der Männerwelt in der katholischen Kirche angetastet: deren Alleinherrschaft in ihr. Diesbezüglich kennt auch der neue Papst kein Pardon.

Wie gesagt, schöne, seinem negativen Handeln widersprechende Worte trägt der Papst immer wieder mit einem die Öffentlichkeit täuschenden großen Pathos vor, und zwar massenweise sowohl in seinen Schriften als auch in seinen Predigten. Da macht er tatsächlich oft keine Ausnahmen, da schließt er explizit niemanden aus der Gemeinschaft mit Gott, Christus und der Kirche aus. Aber da fungiert er eben in seiner Lieblingsrolle als Populist und Missionar, der alle Seelen für die Kirche einfangen möchte. Da lässt er klugerweise alle kirchenamtlichen Einschränkungen, mit denen er sich sonst total identifiziert, unerwähnt: In der weltumfassenden Gemeinschaft der Kirche finden sich alle zusammen: „der Spanier und der Indio, der Missionar und der Conquistador“. Den Conquistadoren, die die von ihnen geraubten Schätze Südamerikas – wenigstens zu einem bedeutenden Teil – dem Papst zu Füßen legten, hat die Kirche schon immer leichter verziehen als den Ketzern, Schismatikern, Dissidenten aller Art, die eine Gefahr für das Monopol ihrer alleinigen Autorität in Sachen des Glaubens und der Moral darstellten.
Schön kann der Papst auch über die Gleichheit von Frau und Mann in der Kirche schwelgen, solange die Frauen daraus keine praktischen Forderungen ableiten. „Unsere Identität als Männer und Frauen des Glaubens“, schwärmt der Papst, „beruht auf unserer Zugehörigkeit zu einem Leib und nicht auf der Behauptung unseres isolierten Selbstbewusstseins. Die Taufe bedeutet Zugehörigkeit zur institutionellen Kirche. Das Sein misst sich an der Zugehörigkeit“. Also die Taufe muss man schon über sich ergehen lassen, um zugehörig zu sein. Aber in Bezug auf die Frauen reicht nicht mal die Taufe, alle Privilegien der Kirche sind den Männern vorbehalten. Diesbezüglich sind diese in den Augen der Hierarchie identischer!

Wenn die Frauen sich auf den klaren Menschenverstand berufen, der die exklusiven Privilegien für die Männer als Gegensatz zu der vom Papst doch behaupteten Gleichheit von Frau und Mann erkennt, dann sind sie bereits einem Irrglauben zum Opfer gefallen. In so einer Situation lässt Franziskus dann alle Masken der Toleranz und Güte fallen und erklärt schroff und unnachgiebig: „Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist, dass er sich von den >Irrlichtern< der Vernunft führen lässt. Ein solcher Mensch ist ein intellektueller Ignorant“. „Der Verstand wirkt zerstörerisch, wenn man ihn sich selbst überlässt“. „In einem Leben ohne Transzendenz“ werden „die Dinge“, auch der Verstand, die Vernunft, „zu Götzen und die Götzen zu Dämonen, die ihre vermeintlichen Nutznießer letztlich aussaugen und verschlingen“.

Wenn Theologen »Transzendenz« sagen, meinen sie dabei nicht die Transzendenz der Philosophen, die eine ganze Fülle von Möglichkeiten des Hinausgehens über die sinnlich wahrnehmbare Realität bedeuten kann, sondern kurz und bündig, aber eben verschleiert: Gott, bei katholischen Theologen noch enger: den Gott der Kirche, und bei Bergoglio/Franziskus im jetzigen Zusammenhang noch einmal enger: Gott, Christus und die Kirche. Frauen sind also „ohne Transzendenz“, d.h. ohne Gott, Christus, Kirche, wenn sie ihrem gesunden Menschenverstand vertrauen und, auf ihn pochend, gleiche Rechte in der Kirche einfordern!

Fazit und Appell an die katholischen Frauen:
Was immer Ihr Frauen tut, wenn Ihr in der Kirche bleibt, werdet Ihr immer, in aller Zukunft, das entmündigte Wesen, der sexus sequior (A. Schopenhauer), das dem Mann nachfolgende, sekundäre Geschlecht bleiben, werdet Ihr nie als wirklich Erwachsene gelten, irgendwie von den Herren der Kirche als zwischen Kindheit und Erwachsensein Stehengebliebene angesehen und behandelt werden.

Wenn Ihr als autonom, mündig, selbständig gelten wollt, macht, was Ihr wollt, werdet meinetwegen Häretikerinnen, Schismatikerinnen, Sektiererinnen, Agnostikerinnen, säkulare Humanistinnen, nur bleibt nicht katholisch, sonst tragt Ihr im Himmel und auf Erden den Garantieschein für Entmündigtsein und Nichtvollgenommenwerden in Eurer Handtasche!

Franziskus, der vermeintlich universale Heilbringer, als solcher von Politikern aller Richtungen und der gesamten Journaille frenetisch gefeiert – Euch Frauen bringt dieser in Wirklichkeit eiskalte Kirchenmann und Kirchenstratege kein Heil! Es sei denn, Ihr reduziert Euch selbst auf Eure kirchlich befohlene Rolle des Mutter- und Dienerinnenseins gegenüber dem Mann und den kirchlichen Patriarchen.

Katholiken sind die hoffnungslos hoffendsten Wesen dieser Welt! Wenn der Papst auch nur einen als progressiv deutbaren Furz lässt, hoffen sie schon wieder allen Ernstes, er werde irgendwann in der Zukunft doch noch wesentliche Reformen in der Kirche durchführen. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt, bei Katholiken aber nie! In ihrer unerschütterlichen Hoffnung auf Reformen sind sie die elendesten, betrogensten Geschöpfe dieser Erde. Fast allen unseren Medien aber gebührt der zweifelhafte Ruhm, darüber nicht aufzuklären, sondern alles zu tun, um diese leere, völlig unbegründete Hoffnung der Prokirchlichen in aller Welt am Leben zu erhalten und ständig neu aufzublasen.

Und auch Ihr über zweihundert tapferen Frauen, die Ihr den Mut hattet, Euch von einem abtrünnigen Bischof zu Priesterinnen weihen zu lassen, seid im Endeffekt, wie ich zu meinem Leidwesen sagen muss, in einem wesentlichen Punkt infantil geblieben, indem Ihr trotz harter Kirchenstrafen und vielfacher Demütigungen durch die Amtskirche und den Papst in der Kirche verharrt. Gesegnet sei doch die heilige, bis zum Tod aufrechterhaltene hoffnungsvolle Einfalt! Dabei sind kluge, hochintelligente Philosophinnen und Theologinnen unter Euch, die aber den Schritt des Kirchenaustritts trotzdem nicht wagen. Irgendwo im Unterbewusstsein habt Ihr noch den dogmatischen Spruch der Kirche: „Extra ecclesiam nulla salus!“ (außerhalb der Kirche kein Heil), tragt Ihr noch in Euch die vage Überzeugung, es gebe nur ein einziges großes Frachtschiff für die Massen, das diese nach dem Tod in den Himmel transportiert, nämlich die katholische Kirche.

Also auch Ihr, die Ihr Euch zu Priesterinnen weihen ließet, und damit den mutigsten Schritt von allen Frauen in der Kirche gewagt habt, werdet auch nie ganz selbstbestimmt, werdet keine wirklich autonomen Persönlichkeiten sein, sondern Marionetten am Gängelband der arroganten, die Frauen entmündigenden Herren der Kirche bleiben, wenn Ihr nicht die Entscheidung trefft, die Kirche zu verlassen. Diese Entscheidung könnte Euch leichter fallen, wenn Ihr erkannt habt, dass jene Variante der mosaischen Religion, wie sie Jesus lehrte und lebte, mit der katholischen Kirche nichts, aber auch gar nichts gemein hatte.

Katholische Frauen, die noch einen Funken Stolz in sich tragen, können diesen Stolz und damit ihren aufrechten Gang nur dadurch bestätigen, bekräftigen, beweisen, dass sie den entschiedendsten Schritt tun, die einzig schlüssige Konsequenz ziehen, nämlich aus der Kirche austreten, aus jener Kirche, in der die Frauen stets nur zweite Klasse sind und auch Papst Franziskus trotz aller schönen Worte und Gesten sie höchstens in der zweiten Liga spielen lässt.

P.S.: Zu den Belegen für die hier verwendeten Zitate und einer umfassenden Einsicht in die weiteren Zusammenhänge des vorliegenden Artikels siehe: Mynarek, „Papst Franziskus. Die kritische Biografie“ und „Warum auch Hans Küng die Kirche nicht retten kann“, beide Bücher im Tectum Verlag Marburg erschienen.


  • Erscheinungsdatum: 07. Dezember 2017